Der Klopfer-Brunn im Schlodt.

Der „Schlodt“, wie der Wald genannt wird, durch den die geplante Zufahrt führen soll und der an die Schottergrube angrenzen wird, war seit jeher ein wichtiger Wasserlieferant für viele Haushalte der umliegenden Ortschaften sowie Lebensraum seltener Pflanzenarten. Fisecker August (Binder Gust), ehemaliger Kustos des Kaplanstöckls Hohenzell und aktives Gemeindemitglied, schrieb bereits vor Jahren in seinen persönlichen Aufzeichnungen über die geschichtliche Bedeutung dieses besonderen Waldes.

„Wasser ist Leben, das war seit Urzeiten ein Faktum bei der Landbesiedelung allgemein. Auch in unserer Gegend war es so, dass für Häuser und Höfe immer die Nähe von Bächen, Teichen oder sonstigen Wasservorkommen als Bauplatz bevorzugt wurde. Ob Wasser geschöpft oder mit Zieh- oder Windbrunnen gepumpt wurde oder es frei zum Haus zufloss, Wasser ist ein Element, das jedes Leben braucht.

In Wanger, Haid und Ponner  hatte man in frühester Zeit Brunnen mit einer Tiefe von 15 bis 20m gegraben. Durch die Schotterböden geschah es jedoch immer wieder, dass während Trockenperioden das Wasser versiegte und dann für Mensch und Vieh das Wasser von Bächen, Lacken oder Teichen geholt werden musste.

Vom nahen Schlodt wusste man, dass es dort ergiebige Quellen gab, nur an Pumpen und Leitungen fehlte es damals, nicht zuletzt auch am nötigen Geld.

1928 entschlossen sich die Bauern und Häuslleute von Wanger, Ponner und Haid gemeinsam zur Fassung der Wasserquellen im Schlodt. Eine Widder-Schwerkraftpumpe wurde angekauft, Sammelbecken für die Quellenfassung gebaut und in der Senke zum Bachl hin wurde eine Pumpenstube für den Widder gezimmert. In Wanger – der höchsten Stelle dieser Gegend – kam der Hochbehälter (Basin ) als Wasserverteiler zu stehen. 1000 m Bleirohre wurden vom Schlodt bis zum Basin und zu den einzelnen Höfen und Häusern händisch eingegraben. Außerdem wurden von Wanger und Haid und zum Bayerbauern nochmals ca. 800 m Zuleitung gebraucht, um die Bewohner dort mit Wasser zu versorgen. Was muss das wohl für die damalige Zeit für eine Wohltat gewesen sein, wenn das Wasser nun frei zu jeder Küche und Waschküche geleitet wurde und auch zu jeder Tränke zufloss. Fast 30 Jahre hat diese Anlage ihren Dienst getan. Franz Albrecht und der Schneider in Wanger hatten die Wartung des Widders über und opferten dabei viele freiwillige Stunden.

Solche Pumpenanlagen gab es in Hohenzell für einige Dörfer und Geschäfte. Das Wasservorkommen und das Gelände mussten passen, wenn so eine Anlage funktionieren sollte. Die Quellenfassung musste um 4 – 6 m über dem Niveau des Widders liegen und die Wassersäule im Verbindungsrohr gab der Schwerkraftpumpe die nötige kostenlose Energie zur Förderung. Zwei Drittel des Wassers brauchte die Pumpe zum Antrieb und ein Drittel förderte sie in die Leitungen weiter.

Doch die modernen Tiefenbohrungen, die elektrischen Druckpumpen haben neue sichere Wasservorkommen erschlossen und fast alle alten Widder wurden stillgelegt.

Zur Lage des Quellgebietes im Schlodt muss auch die Pflanzenwelt beschrieben werden, die dort so vielfältig ist. Nahe am Abhang zum Aspacherbachl sprudeln diese Quellen aus dem Berg und fließen heute noch in kleinen Windungen durch saftiggrüne Brunnenkresse, Schnalz- und Dotterblumen zum nahen Bachl ab, auch ein Fischteich wird mit Wasser versorgt. Erlen, Eichen, Weiden und Nadelbäume spenden den Schatten für dieses wunderbare Plätzchen. Die Frühlingsknotenblume, das Alpenveilchen und der besonders geschützte Seidelbast geben im Frühjahr diesem Waldstück einen eigenen Reiz. Das Klopfen des Widders und der gleichmäßige Hall in dieser Waldidylle haben diesem Naturbiotop wohl den schönen Namen „Klopfer Brunn“ gegeben.“