Naturschutz im Bereich der geplanten Schottergrube.
Direkt am Rand der geplanten Schottergrube befindet sich ein ökologisch besonders wertvoller Naturraum: ein rund 40 Hektar großes Waldgebiet mit zahlreichen natürlichen Quellen.
Diese Quellen speisen den Aschbach bzw. Wolketsedterbach, der weiter Richtung Peterkirchen in die Osternach mündet. Entlang des Baches befinden sich auch mehrere Fischteiche.
Solche Quellgebiete – sogenannte Quellfluren – sind selten gewordene Lebensräume von hoher ökologischer Bedeutung. Durch den geplanten Schotterabbau bis in den Bereich der Quellsohle droht dieses sensible Ökosystem dauerhaft geschädigt oder zerstört zu werden.


Bedeutung von Quellfluren für die Natur
Ökologisch wertvolle Quellfluren sind Vegetationszonen, die sich in unmittelbarer Nähe von natürlichen Quellen bilden und durch das austretende Quellwasser geprägt sind. Sie zeichnen sich durch folgende Merkmale aus, die ihren ökologischen Wert begründen:
Besondere Standortbedingungen
Konstante Wasserversorgung: Das Quellwasser sorgt für eine gleichmäßige Durchfeuchtung des Bodens, oft ganzjährig.
Relativ konstante Temperatur: Die Wassertemperatur ist im Jahresverlauf weniger Schwankungen ausgesetzt als bei Oberflächengewässern oder dem umgebenden Boden. Im Sommer ist es tendenziell kühler, im Winter milder.
Oft hohe Wasserqualität: Quellwasser ist in der Regel sauber und nährstoffarm, kann aber je nach Gesteinsuntergrund auch mineralreich sein (z.B. Kalkquellen).
Hohe Luftfeuchtigkeit: Durch das austretende Wasser herrscht in der Umgebung oft eine erhöhte Luftfeuchtigkeit.
Hohe Biodiversität und Spezialisierung
Lebensraum für spezialisierte Arten: Die besonderen Standortbedingungen führen zur Ausbildung von Pflanzengesellschaften, die an diese extremen Verhältnisse angepasst sind. Dazu gehören oft Moose, Farne, Kleinseggen und niedrigwüchsige krautige Pflanzen. Viele dieser Arten sind selten oder gefährdet und kommen nur in Quellfluren vor.
Refugium für Tierarten: Quellfluren bieten Lebensraum für eine Vielzahl von Tieren, darunter Insekten (z.B. Quelljungfern), Amphibien (z.B. Feuersalamander), Schnecken und andere Kleintiere, die an die feuchten und kühlen Bedingungen angepasst sind. Einige Arten sind sogar ausschließlich auf Quellbiotope angewiesen.
Nahrungsgrundlage: Die spezialisierten Pflanzen und Tiere in Quellfluren dienen als Nahrungsquelle für weitere Tiere in der Umgebung.
Weitere ökologische Funktionen
Wasserspeicher und -filter: Quellfluren können, wie kleine Schwämme wirken und Wasser speichern, das langsam an die Umgebung abgegeben wird. Sie tragen auch zur Filterung des Wassers bei.
Ausgangspunkt von Fließgewässern: Viele Bäche und Flüsse entspringen in Quellfluren. Deren ökologische Gesundheit ist somit entscheidend für die Qualität und den Zustand der nachfolgenden Gewässer.
Klimaregulation im Kleinen: Die hohe Verdunstung in Quellfluren kann lokal zu einer Kühlung der Umgebung beitragen.
Bedeutung für den Naturschutz: Aufgrund ihrer Seltenheit, der spezialisierten Arten und ihrer wichtigen Funktionen sind Quellfluren in vielen Regionen gesetzlich geschützte Biotope. Kalkreiche Quellfluren, bei denen es zur Kalktuffbildung kommt, sind beispielsweise ein prioritärer Lebensraumtyp nach der FFH-Richtlinie der EU.
Quellfluren sind absolut schützenswert
Hohe ökologische Bedeutung: Quellfluren sind hochspezialisierte Lebensräume an der Schnittstelle von Grund- und Oberflächenwasser. Sie zeichnen sich durch konstante, oft kühle Wassertemperaturen und eine hohe Feuchtigkeit aus. Diese Bedingungen ermöglichen das Überleben von speziellen und oft seltenen Tier- und Pflanzenarten, die an diese einzigartigen Verhältnisse angepasst sind (Krenobionten und krenophile Arten). Viele dieser Arten kommen ausschließlich in Quellgebieten vor und sind oft gefährdet.
Artenvielfalt: Obwohl die Artenzahl in einzelnen Quellfluren gering sein kann, beherbergen sie insgesamt eine bemerkenswerte Vielfalt an spezialisierten Organismen. Dazu gehören verschiedene Insektenlarven (z.B. Quelljungfern, Köcherfliegen, Steinfliegen), Schnecken, Würmer, Krebstiere, Moose und krautige Pflanzen.
Seltene Biotope: Quellfluren sind in vielen Regionen selten geworden, insbesondere im intensiv genutzten Tiefland. Sie sind durch verschiedene Faktoren stark gefährdet.
Lebensraum für gefährdete Arten: Viele Rote-Liste-Arten und national prioritäre Arten sind auf Quellfluren angewiesen. Der Schutz dieser Lebensräume ist daher entscheidend für den Erhalt der Biodiversität.
Wasserqualität: Natürliche Quellfluren können zur Filterung und Reinigung des Wassers beitragen.
Gefährdungen für Quellfluren
Quellfassungen: Die Nutzung von Quellen für Trinkwasser oder Bewässerung kann die Hydrologie und damit den Lebensraum der Quellfluren stark beeinträchtigen oder zerstören.
Trockenlegung und Ableitung: Die Entwässerung von Gebieten zur Schaffung von Kulturland oder die Ableitung von Quellwasser in Rohre führt zum Verlust dieser Lebensräume.
Verbauung und Wegebau: Direkte Zerstörung durch Baumaßnahmen, insbesondere im Bereich von Quellen und deren Zuflüssen.
Intensive Landwirtschaft: Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft können die Wasserqualität verändern und die typische Vegetation der Quellfluren verdrängen.
Forstwirtschaft: Das Einbringen standortfremder Baumarten (z.B. Nadelbäume) kann die chemische Zusammensetzung des Bodens und des Wassers verändern.
Klimawandel: Veränderungen im Niederschlagsmuster und steigende Temperaturen können die Wasserführung von Quellen beeinflussen.
Rechtlicher Schutz
In vielen Ländern, so auch in Österreich, sind Quelllebensräume durch Naturschutzgesetze geschützt. Bestimmte Quellfluren (z.B. kalkreiche, kalkarme und wärmeliebende) sind in Anhängen von Naturschutzverordnungen als schützenswert gelistet.
Fazit
Aufgrund ihrer hohen ökologischen Bedeutung, der Spezialisierung ihrer Lebensgemeinschaften und der vielfältigen Gefährdungen sind Quellfluren unbedingt schützenswert. Erhaltungs- und Aufwertungsmaßnahmen sind notwendig, um diese wertvollen Biotope und ihre einzigartige Artenvielfalt für die Zukunft zu sichern.





